Blog / Spannende und einzigartige georgische Sprache Georgien, Blog | 03.08.2019

Spannende und einzigartige georgische Sprache

Die georgische Sprache überrascht in vielerlei Hinsicht: Sie ist mit kaum einer anderen Sprache verwandt, unterscheidet nicht zwischen männlich und weiblich und kennt bis zu acht Konsonanten am Stück.

Alphabet mit 33 Buchstaben

Das georgische Alphabet nennt man Mchedruli. Es umfasst 33 Buchstaben, davon 5 Vokale und 28 Konsonanten. Somit gibt es im Georgischen mehr Konsonanten als im Deutschen Buchstaben.

Die Vokale sind a, e, i, o und u. Etwas komplizierter wird es bei den Konsonanten, die für Nicht-Georgier teilweise schwierig auszusprechen sind. So existieren beispielsweise zwei «p», zwei «t», zwei «k», zwei «z» und zwei «tsch». Einer der beiden ist jeweils behaucht und der andere unbehaucht (Ejektiv).

Das georgische Alphabet kennt keine Groß- und Kleinbuchstaben, auch nicht bei Namen von Städten, Ländern oder Personen.

Bis zu 8 Konsonanten am Wortanfang

Was die Aussprache zusätzlich erschwert, sind die zahlreich vorkommenden Konsonantencluster, also die Aneinanderreihung von mehreren Konsonanten innerhalb eines Wortes, teilweise sogar am Wortanfang. Hier einige Beispiele:

- 3 Konsonanten: Zchwiri (Nase)
- 4 Konsonanten: Mkwleli (Mörder)
- 5 Konsonanten: Zinamdzghvriantkari (Name eines Dorfes)
- 6 Konsonanten: Mzwrtneli (Trainer)
- 8 Konsonanten: Gwbrdghwni (Du reißt uns)

Georgisch hat 7 Fälle

Im Georgischen unterscheidet man sieben verschiedene Fälle (Kasus). Aus dem Deutschen bekannt sind der Nominativ, der Dativ und der Genitiv. Die übrigen vier Fälle kennt die deutsche Sprache nicht:

Vokativ

Der Vokativ wird für die direkte Anrede gebraucht. Während es im Deutschen keinen Unterschied gibt zwischen «mein Freund» und «Hey, mein Freund!», wir im Georgischen sehr wohl unterschieden. «Mein Freund» heißt «tschemi megobari» und «Hey, mein Freund!» heißt «tschemo megobaro». Die Endung wechselt von i zu o. Hier ein weiteres Beispiel:

guter Hund = kargi dzaghli
Hey guter Hund! = kargo dzaghlo

Instrumental

Der Instrumental wird verwendet, wenn ein Mittel (Werkzeug, Instrument) eingesetzt wird um etwas tu tun. Er wird auch für Zeitangaben verwendet.

Löffel heißt auf georgisch «kowsi». Ich esse heißt «wtscham». Und wenn ich nun mit dem Löffel esse, heißt dies «kowsit wtscham». Substantive im Instrumental enden immer auf -it oder -ti (nach o und u).

Des weiteren gibt es noch den Ergativ und den Adverbialis.

Zahlen im 20er-System

Georgisch ist eine der wenigen Sprachen, deren Zählweise nicht im Zehner- sondern im Zwanzigersystem erfolgt. Die französische Sprache kennt dies zu einem kleinen Teil auch noch. So heißt 80 auf französisch quatre-vingts (vier mal zwanzig).

So ist es im Georgischen durchgängig. 20 heißt «ozi», «und» heißt «da», 10 heißt «ati». Und damit lässt sich die Zahl 30 ausdrücken: «ozdaati» (oz - da - ati), also zwanzig plus zehn. 40 bedeutet auf georgisch ormozi, das sich wiederum aus den Wörtern ori (zwei) und ozi (zwanzig) zusammensetzt, also 2 x 20. Und so geht es immer weiter: 

50 = ormozdaati (2 x 20 + 10)
60 = samozi (3 x 20)
70 = samozdaati (3 x 20 + 10)
77 = samozdatschwidmeti (3 x 20 + 17)
80 = otchmozi (4 x 20)
90 = otchmozdaati (4 x 20 + 10)
99 = otchmozdazchrameti (4 x 20 + 19)

Suffixe, Suffixe, Suffixe

Georgisch ist eine aggluttinierende Sprache. Durch das Anhängen von Suffixen am Wortende verändert sich die Bedeutung der Wörter. Anders als auf deutsch sagt man im Georgischen nicht im Haus, sondern Haus-in. Statt aus Deutschland sagt man Deutschland-aus oder statt für die Freunde sagt man Freunde-für.

Hier einige Suffixe, deren Bedeutung und Beispiele dazu.

schi = in
Georgien: sakartvelo
in Georgien: sakartveloschi

dan = von, aus
Russland: ruseti
Sie ist aus Russland: Is aris rusetidan

ze = auf
Bett: logini
auf dem Bett: loginze

twis = für
mich: tschem
für mich: tschemtwis

z = auch
Du: schen
Du auch: schenz

tan ertad = mit, zusammen
Freunde: megobrebi
mit den Freunden: megobrebtan ertad

Kein grammatikalisches Geschlecht

Georgisch kennt keine grammatikalischen Geschlechter. Während deutsch oder englisch die drei Geschlechter weiblich, männlich und sächlich kennen und andere Sprachen wie italienisch oder spanisch immerhin weiblich und männlich, gibt es im Georgischen nur eine Form.

So bedeutet das Wort «scheqwarebuli» sowohl «Freund» als auch «Freundin» (im Sinne von boyfriend und girlfriend). Oder der Satz «Is aris maszawlebeli» bedeutet sowohl «Sie ist Lehrerin» als auch «Er ist Lehrer».

Fast eine isolierte Sprache

Von einer isolierten Sprache spricht man, wenn sie keine Verwandtschaft mit einer anderen Sprache aufweist – wie zum Beispiel das Baskische oder das Koreanische. Georgisch ist zwar nicht isoliert, aber dennoch nur mit ganz wenigen anderen Sprachen verwandt.

Georgisch gehört zur Sprachfamilie der kartwelischen (südkaukasischen) Sprachen und ist nur mit mingrelisch, swanisch, lasisch und judäo-georgisch, der Sprache der georgischen Juden, verwandt.

Weitere Informationen zur georgischen Sprache findest du in einem Artikel von 2018.

Autor: MyCaucasus
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