Blog / Die regionalen Besonderheiten der Georgischen Esskultur Georgien, Kulinarik & Wein, Blog | 23.04.2018

Die regionalen Besonderheiten der Georgischen Esskultur

Die vielleicht größte Attraktion, die du während deiner Georgienreise sehen – oder besser gesagt schmecken solltest, ist die traditionelle Georgische Küche, eine der ältesten, reichhaltigsten und abwechslungsreichsten Küchen der Welt. Jede Region hat ihre ganz spezifischen Gerichte, je nachdem, welche klimatischen und geografischen Voraussetzungen dort vorherrschen.
Wenn man über die Georgische Küche und deren Vielseitigkeit schreibt, muss erwähnt werden, dass die Zubereitung der verschiedenen Speisen nicht immer einfach ist. Umso erstaunlicher ist es, welch umfangreiches Angebot an Speisen bei einem Georgischen Festmahl, genannt «Supra», auf den Tisch kommen. Im folgenden stelle ich einige Gerichte vor, die bei einer Supra auf dem Tisch stehen. Im Osten Georgiens, in den Regionen Mzcheta-Mtianeti, Kachetien und Chewsuretien, ist Fleisch ein wesentlicher Bestandteil der regionalen Küche. Wein, Brot und Öl spielen ebenfalls eine wichtige Rolle. Im Westen hingegen, zum Beispiel in den Regionen Gurien, Adscharien und Samegrelo, wird viel mit Gemüse, Nüssen und Milchprodukten gekocht.

Die Käseliebhaber von Samegrelo

Kommst du in die westgeorgische Region Mingrelien (georgisch: Samegrelo), gibt es zahlreiche Gerichte und Spezialitäten, die du dir auf keinen Fall entgehen lassen solltest. Ein Muss ist der mingrelische Käse namens «Sulguni», der Basis verschiedenster Gerichte ist. Den isst man dann zum Beispiel zum Gericht «Gomi», einem dicken Brei aus Mai, oder zu «Elardschi» oder «Gebdschalia». Und natürlich darf auch das mingrelische Chatschapuri nicht fehlen. Chatschapuri gibt es in jeder Region Georgiens. Es besteht aus einem brotähnlichen Teig, der je nach Region mit Käse gefüllt oder belegt wird. Die Menschen aus Mingrelien sind besonders stolz auf ihr Chatschapuri.

Jede Region hat ihr Chatschapuri

In der Region Imeretien, die sich von Samtredia bis an die södossetische Grenze und von Tqibuli bis zum Bordschomi-Karagauli-Nationalpark erstreckt und in der mit Kutaissi Georgiens zweitgrößte Stadt liegt, verwendet für ihr Chatschapuri, einen imeretischen (imeruli) Käse, den die Einheimischen «Chkinti Kveli» nennen. Ebenfalls typisch imeretisch sind das Maisbrot «Mdschadi», das gerne mit Käse oder zum Bohnengericht Lobio gegessen wird sowie zahlreiche Variationen von Salaten. Weiter westlich liegt am Schwarzen Meer und nördlich der Türkischen Grenze die Region Adscharien, die über die Jahrhunderte eine ganz eigene, typische Küche entwickelt und bewahrt hat. Natürlich haben auch die Adscharier ihre Variante des Chatschapuri. Anders als in den anderen Regionen ähnelt ihre Version des Käsebrotes nicht der Form einer Pizza, sondern der eines Bootes. Das schiffartige Brot wird mit Käse gefüllt, ehe am Ende Butter und ein rohes Ei auf die Käsemasse gegeben wird. Ei, Butter und Käse werden direkt nach dem Servieren zu einer verführerischen Masse verrührt und zusammen mit dem leckeren Rand aus Brot verzehrt.
Eine weitere Kalorienbombe ist «Borano», das aus geschmolzener Butter und einem Käse namens «Kaimagi» zubereitet wird. Borano ist ein typisches Gericht der adscharischen Berge. Weitere typische Gerichte aus Georgiens Südwesten sind «Achma» (gegarter Teig mit Käse und Butter) und «Sinori». Anders präsentiert sich die Küche im Osten und im gebirgigen Nordosten. Von dort, genauer gesagt aus Tuschetien, stammt das neben Chatschapuri wahrscheinlich berühmteste Georgische Gericht: «Khinkali». Das sind mit Fleisch, Zwiebeln und Kräutern gefüllte Teigtaschen. Wahlweise kann man sie auch gefüllt mit Kartoffeln, Spinat oder Pilzen haben. Tuschetien produziert mit dem «Gouda» zudem eine der faszinierendsten Käsesorten Georgiens. Mit seinem niederländischen Namensvetter hat der Käse nichts zu tun. Der Gouda aus Tuschetien ist trocken, salzig und sehr herzhaft.

Von Swanetien nach Kachetien

Das berühmteste Essen aus der südgeorgischen Region Samzche-Dschawachetien ist Apokhti, gesalzenes und getrocknetes Fleisch, sowie Tatarbek. Das sind feine gekochte Teigstücke, die man mit zerlassener Butter genießt. In Swanetien, der Hochgebirgsregion im Nordwesten, sind Gerichte wie Svanuri Sulguni, Tschwischtari, Keria and Kubdari populär. Kubdari ist ein mit Fleisch gefülltes Brot. Auch das Kartoffelpürée ähnliche Gericht mit Käse, Taschmibadschi, ist in Swanetien populär. Und eigentlich schmeckt es dort auch am besten, dank des Swanischen Salzes und der endemischen Kräuter. Georgien ist das Land des Weines. Und der kommt in allen Regionen gerne und oft auf den Tisch. Ganz besonders im Südosten, in der Weinregion Kachetien, die neben dem Wein aber noch mit einer ganzen Reihe weiterer Köstlichkeiten aufwartet, so zum Beispiel Mzwadi, am Spieß gegrilltes Schweine, Kalb- oder Lammfleisch oder die kachetischen Chinkhali, Khashlama, Tonis Puri und die Georgischen Süßigkeiten Tschurtschkhela oder Pelamushi.

Die ungeschriebenen Gesetze der georgischen Gastfreundschaft

Wenn du auf deiner Reise durch Georgien von Einheimischen eingeladen wirst. was durchaus gut möglich ist, dann solltest du die ungeschriebenen Gesetze der Georgischen Gastfreundschaft kennen. Bistz du bei einer Georgischen Familie zu Gast, wirst du das Haus mit Sicherheit nicht hungrig verlassen – ganz im Gegenteil. Die Tradition besagt, dass jeder Gast ein von Gott gesandtes Geschenk sei. So respektieren die Georgier jeden Gastz in höchstem Maß und tischen alles auf, was vorhanden ist. Und das ist sehr viel. Zum einen die zahlreichen verschiedenen Schüsseln mit allerlei Leckereien, zum anderen Wein. Den Wein, der dir angeboten wird, solltest du austrinken. Damit drückst du deinen Respekt gegenüber den Gastgebern aus. Zurückhaltung ist ohnehin nicht angesagt. Sei dankbar für die Einladung, zeige deine Freude und probiere von all dem leckeren Essen so viel wie du magst. Du wirst nie fertig sein mit essen, es steht immer etwas auf dem Tisch. Und das ist auch gut so.
 
Autor: MyCaucasus
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